Am Dienstag, den 2. Juni, reiste ich von Wien nach Porto, um am 48. Annual International Congress der European Hernia Society teilzunehmen. Ermöglicht wurde mir diese Reise durch das Preisgeld der Young Surgeons Video Challenge bei den DHG-Hernientagen in Berlin.
Mit der Alfândega do Porto fand die Tagung in einem geschichtsträchtigen ehemaligen Zollhaus direkt am Douro statt. Die monumentale Architektur, die weitläufigen Hallen und die Lage am Fluss bildeten eine außergewöhnliche und beeindruckende Kulisse.
Neue Techniken und offene Diskussionen
Das wissenschaftliche Programm bot einen breiten Überblick über aktuelle Entwicklungen der Hernienchirurgie. Besonders interessiert haben mich die Beiträge zur robotisch assistierten Hernienchirurgie sowie zur peTEP-Technik. Unterschiedliche Zugangswege, technische Details und operative Strategien wurden anhand von Videos und Fallbeispielen anschaulich gegenübergestellt.
„Train wreck in a second“: offener Umgang mit Komplikationen
In dieser Veranstaltung berichteten international anerkannte Experten offen über Komplikationen, schwierige intraoperative Situationen und unerwartete Verläufe. Für mich war gerade dieser Blick hinter die perfekten Ergebnisse besonders lehrreich: zu verstehen, wie Probleme entstehen, welche Entscheidungen erfahrene Operateure in kritischen Momenten treffen und welche Konsequenzen sie daraus für weitere Eingriffe ziehen. Solche Einblicke sind für die eigene chirurgische Entwicklung ausgesprochen wertvoll.
Mehr als nur Vorträge
Neben dem wissenschaftlichen Programm war der internationale Austausch ein wesentlicher Gewinn. Unterschiedliche operative Philosophien und Erfahrungen wurden offen diskutiert, wodurch sich viele Themen aus mehreren Perspektiven betrachten ließen. Gerade am Beginn der chirurgischen Laufbahn ist es bereichernd, über den eigenen klinischen Alltag hinauszublicken und andere Herangehensweisen kennenzulernen.
Nach den intensiven Kongresstagen bot Porto einen wunderbaren Ausgleich. Die historische Stadt, ihre Fassaden und die Lage am Douro sorgten dafür, dass sich fachliche Eindrücke und Reiseerlebnis auf besondere Weise miteinander verbunden haben.
Wind, Portwein und Reiseapotheke
Ein besonders schöner Programmpunkt abseits des Kongresses war die Schifffahrt auf dem Douro. Vom Wasser aus eröffnete sich ein ganz anderer Blick auf Porto und seine markanten Brücken. Bei strahlendem Sonnenschein war es allerdings deutlich windiger, als die Bilder vermuten lassen.
Effektive Reiseapotheke
Bei ausgesprochen windigen Bedingungen auf der Douro-Schifffahrt fing ich mir prompt eine Erkältung ein. Portugiesischer Nasenspray und Portwein erwiesen sich glücklicherweise als überraschend effektive Reiseapotheke, eine Kombination, die vermutlich nicht in jedem Lehrbuch zu finden ist.
Was bleibt
Rückblickend war die Teilnahme am EHS 2026 für mich fachlich wie persönlich eine sehr wertvolle Erfahrung.
Die Tage in Porto haben mir einen vielseitigen Einblick in aktuelle Entwicklungen der Hernienchirurgie gegeben. Besonders mitgenommen habe ich die praxisnahen Diskussionen, den offenen Umgang mit schwierigen Verläufen und die Möglichkeit, unterschiedliche internationale Konzepte miteinander zu vergleichen.
Der Kongress war damit eine wertvolle Gelegenheit, neue Perspektiven zu gewinnen, fachliche Impulse mitzunehmen und den eigenen Blick über den klinischen Alltag hinaus zu erweitern.
Herzlichen Dank an die DHG
Mein herzlicher Dank gilt der Deutschen Herniengesellschaft. Durch das Preisgeld der Young Surgeons Video Challenge bei den DHG-Hernientagen in Berlin wurde mir diese Reise ermöglicht. Die Tage in Porto haben mir fachlich und persönlich viel gegeben und werden mir sicherlich lange in Erinnerung bleiben.
Dr. Miriam Tobanelli
Bildnachweis: © Marcus Fink
